Wohnungslosenhilfe
Geschichte


Geschichte der Wohnungslosenhilfe
Die Geschichte der Wohnungslosenhilfe in Herford begann im Jahr 1890 mit der Gründung einer »Herberge zur Heimat« für arbeitsfähige Wanderer durch Friedrich von Bodelschwingh. Wenn diese auch nicht nur zur Versorgung der ärmsten Bevölkerungsschichten diente, sondern – ganz im Sinne der damaligen Zeit – darüber hinaus auch dazu, das »Bettelunwesen« der Wanderarmen einzudämmen, so wurde hier doch der Grundstein für unsere heutigen Hilfen gelegt.
Noch bis 1990 finanzierte sich die Einrichtung überwiegend aus den Erlösen, welche die Bewohner – ausschließlich Männer – in der dem Wohnheim angeschlossenen Werkstatt erwirtschafteten. Die weitere Hilfe bestand vor allem in der Beherbergung selbst, und erst wenn die Männer zu alt und schwach zum Weiterwandern waren, wurde daraus eine ‚Beheimatung’.
1966 wurde ein seit 1949 bestehendes Lehrlingswohnheim in der Enger Str. 10 neues Domizil der Herberge zur Heimat. 1983 bestand »Haus Birkenkamp« aus einer Altenabteilung, einem Wohnheim, einem Übernachtungsschlafsaal und der angeschlossenen Werkstatt. Etwa zu dieser Zeit begann für die Einrichtung eine über 10-jährige Umbruchphase mit gravierenden konzeptionellen Veränderungen. Es galt, die stationären Hilfen bedarfsgerechter zu gestalten.
- Eine Vereinbarung über kostendeckende Pflegesätze (1985) mit dem überörtlichen Träger der Sozialhilfe, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, ermöglichte die längst überfällige Trennung von Wohnen und Arbeit. 1991 wurde die Werkstatt verselbstständigt, die Arbeitspflicht aufgegeben.
- Die Mehrbettzimmer im Wohnbereich wurden in Ein- und Zweibettzimmer umgewandelt, wodurch zugleich die Platzzahlen im stationären Bereich von 160 Plätzen im Jahr 1986 auf nur noch 63 im Jahr 1997 reduziert werden konnten.
- Die Notübernachtung – in Spitzenzeiten der 1980er-Jahre noch von bis zu 35 Menschen täglich genutzt – wurde 1997 an die eigentlich zuständige Kommune zurückgegeben.
- und der Altenbereich bis 1997 zu einer eigenständigen Pflegeeinrichtung weiterentwickelt und erweitert.
Auf wesentliche Initiative des Westfälischen Herbergsverbandes hatte parallel hierzu 1986 die »Regionale Beratungsstelle nach § 72 BSHG« in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Herford ihre Arbeit aufgenommen. Dahinter stand das auch vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstützte Bemühen, neben dem historisch gewachsenen Angebot der stationären Einrichtungen ein flächendeckendes Netz ambulanter Hilfen zu installieren.
Schon während der Aufbauphase brachten innovative Projekte – so z.B. eine Wohngruppe für städtische Obdachlose und eine Wärmestube – wertvolle Erkenntnisse für die konzeptionelle Entwicklung der Beratungsstelle wie auch des Herforder Hilfesystems. Neben der Einzelfallhilfe, die damals vor allem zum Ziel hatte, wandernden Wohnungslosen Perspektiven »zum Bleiben« zu eröffnen, prägten zwei Schwerpunkte die Arbeit: die Frage der Unterbringung von obdachlosen Menschen in der Stadt Herford sowie die rechtskonforme Gewährung der Sozialhilfe an sogenannte »Nichtsesshafte«.
1998 schließlich fusionierten nach einem über zweijährigen Diskussionsprozess die damalige Sozialberatungsstelle des Diakonischen Werkes Herford und das »Haus Birkenkamp« zu einer neuen Einrichtung in Trägerschaft der Evangelischen Diakoniestiftung Herford: dem Sozialberatungsdienst. Lange bevor die ‚Hilfen aus einer Hand’ als sozialpolitisches Handlungskonzept zu Ehren kamen, entwickelte die Einrichtung von da an ein Hilfeangebot, das Beratung, persönliche Hilfe, Begleitung, Versorgung und intensive Betreuung flexibel und eng vernetzte. Es entstand der Prototyp einer integrierten Einrichtung.
Unsere Vision: Eine Gesellschaft, in der es keine Wohnungslosigkeit mehr gibt und in der jeder Mensch Zugang zu annehmbarer, bezahlbarer und sicherer Unterkunft hat sowie die Mittel und die Unterstützung zur Erhaltung der Unterkunft. (National Homeless Alliance 1997)



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